Tom Otte

Sich achten lernen

Sich achten lernen

Achtsamkeit ist eine Technik, um im Hier und Jetzt bewusster und glücklicher zu leben. Es geht darum, dem Alltag entspannt und gelassen zu begegnen und den Stress zu reduzieren. Wer ‚achtsam‘ ist, versucht ‚präsent‘ zu sein, das ‚Geschenk‘ des Lebens in jedem Moment zu genießen, auch bei dem, was mich gerade beschäftigt: Weg vom Multitasking, hin zu bewusstem Dasein.

Wenn ich ‚unachtsam‘ bin, tue ich viele Dinge gleichzeitig, ohne mich selbst, meine Handlungen und meine Gefühle bewusst wahrzunehmen. Ich verliere mich in Interpretationen und Bewertungen, lebe ständig in der Vergangenheit oder in der Zukunft – und schon werde ich unzufrieden.

Solche Unachtsamkeit stresst uns – und sie macht uns auf Dauer krank. Wir sollten uns stattdessen ‚entschleunigen‘. Es gilt, sich auf eine Sache zu konzentrieren und diese mit allen Facetten wahrzunehmen.

Eine wichtige Grundhaltung der Achtsamkeit ist die Akzeptanz. Diese verlangt eine offene, interessierte Einstellung, die Dinge so annimmt, wie sie sind. Jede Situation kann dann unvoreingenommen betrachtet werden – auch und gerade eigene Schwächen und Probleme. Erst, wenn ich dafür zugänglich und ‚berührbar‘ bin, fallen mir neue Lösungen ein.

Bei Achtsamkeitsübungen geht e immer auch darum, die Aufmerksamkeit bewusst auf einen einzelnen Aspekt zu richten – z.B. auf die Atmung oder meine Körperhaltung. Andere Gedanken registriere ich zwar, aber für den Moment „beachte ich sie nicht weiter“. Ich bleibe ganz bei einer Sache, konzentriere mich auf sie. Eine ähnliche Distanz wie zu meinen Gedanken nehme ich auch zu meinen Gefühlen ein: Ich bin nicht mehr das Gefühl, ich beobachte es. Ich verhalte mich neugierig, ich unterdrücke nicht, ich akzeptiere: Das Gefühl ist da, deshalb ist es okay.

Achtsamkeit in sein tägliches Leben zu integrieren, benötigt Geduld. Es geht nicht von heute auf morgen; es ist ein Lernprozess, der Übung erfordert. Wie beim Radfahren entwickeln sich dann aber Routinen: Zunächst überfordert das gleichzeitige Lenken, Treten und Balancieren den Anfänger, später denkt er gar nicht mehr darüber nach.

Die Wirksamkeit von Achtsamkeit ist wissenschaftlich gut belegt. Ende der 70iger Jahre entwickelte der amerikanische Professor Dr. Jon Kabat-Zinn von der Universität Massachusetts das Achtsamkeitstraining als Methode zur Stressreduktion: Mindful Based Stress Reduktion (MBSR). Er verknüpfte damit Erkenntnisse aus der Verhaltensmedizin mit eigenen Meditationserfahrungen. Viele Achtsamkeitsübungen stammen aus dem Buddhismus und werden z.T. seit mehr als 2000 Jahren in Klöstern praktiziert.

Die achtsamkeitsbasierte Therapie erzielt gute Erfolge bei Depressionen, Burnout, Angst- und Schlafstörungen. Ihre Wirksamkeit ist in diversen Studien für viele Krankheitsbilder gut belegt.

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/01/Meditation-auf-Rezept

Achtsamkeit lässt sich lernen. Hier finden Sie mein Seminarangebot zur Stressbewältigung.

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