Tom Otte

Haltung zeigen!

Haltung zeigen!

Unsere Körperhaltung beeinflusst unsere Stimmung. Zwei US-Forscher (John Riskind und Carolyn Gotay) starteten zum Beweis einen ungewöhnlichen Versuch: Sie ließen Studenten ‚negative‘ und ‚positive‘ Körperhaltungen einnehmen. Nach acht Minuten zeigten Studenten, die geduckt und gekrümmt saßen, bereits eine negative Stimmungslage. Sie reagierten auf Anforderungen frustriert und gestresst. Eine Vergleichsgruppe hingegen, die aufrecht saß, verhielt sich ausdauernd und heiter. In gelöster Stimmung erzielten sie weitaus größere Erfolge bei der Arbeit.

Das US-Experiment lässt sich auf unseren Alltag übertragen. Wann immer wir angesichts einer schwierigen Aufgabe resignieren, sollten wir an jene College-Studenten denken, und zunächst unsere Körperhaltung korrigieren. Vielleicht ist unsere Mutlosigkeit ja ‚hausgemacht‘. Jedes Verharren in einer defensiven und stressreichen Haltung friert gewissermaßen dazugehörige Emotion ein. Das jedenfalls sagt die Körperforscherin Benita Cantieni. „In festgefahrenen Situationen wirkt es Wunder, den Körper bewusst aufzurichten.“

In all meinen Coachings setze ich daher Übungen aus der Körperarbeit ein. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer soll lernen, sich aus gekrümmten und verspannten Haltungen zu befreien. Der Körper kehrt so in seinen natürlichen Zustand zurück, in das sogenannte ‚Basis-Embodiment‘. Dieses bildet die Grundlage für erwünschte Emotionen.

Auch der Neurowissenschaftler Gerald Hüther dsagt, dass wir die Wechselwirkung von Körper und Psyche für ein glücklicheres und gesünderes Leben nutzen sollten. Für ihn ist es ganz logisch, dass im Gehirn, auf der Ebene des Denkens, Fühlens oder Verhaltens, Veränderungen auftreten, sobald die körperliche Ebene sich verwandelt. Schließlich bilden Gehirn und Körper eine untrennbare, funktionelle Einheit. Das Nervensystem sendet Signale des Gehirns in den Körper, und – in Gegenrichtung – Signale des Körpers ins Gehirn.

Hier ein paar Haltungsübungen für ein optimiertes Leben und Arbeiten:

  • Leichtfüssig stehen
    Beide Füße stehen parallel ungefähr hüftbreit auseinander. Das Großzehengrundgelenk und die Ferse sind belastet. Stellen sie sich vor, unter ihrer Fußwölbung sitze ein kleiner Schmetterling – schon stehen Sie leichtfüssig und locker.

  • Kniee richten
    Ihre Kniegelenke zeigen sich locker, also keineswegs durchgedrückt. Idealerweise liegt die senkrechte Falllinie dabei exakt über dem Sprunggelenk. Ihre Kniescheiben zeigen wie zwei Scheinwerfer geradeaus. Kein Muskel überspannt sich, kein Muskel schläft.

  • Mit dem Becken atmen
    Verlängern Sie Ihr Steißbein Richtung auf die Fersen. Oder: Stellen sie sich vor das Becken holt Luft. Ziehen sie beim Einatmen die Sitzbeinhöcker zusammen – das Becken richtet sich auf, das Wohlbehagen steigt.

  • Wirbelsäule aufrichten
    Spannen Sie Ihre Wirbelsäule, indem Sie Wirbel für Wirbel in die Vertikale dehnen. Ausgehend vom Steißbein machen Sie langsam eine fließende S-förmige Bewegung.

  • Brustkorb heben
    Ziehen Sie Ihr Zwerchfell ein bisschen nach oben und dehnen Sie dabei den Brustkorb. Unterstützen Sie das durch ihre Atmung, indem Sie den Brustkorb beim Ausatmen nicht einsinken lassen.

  • Schultern entspannen
    Dehnen Sie die Schlüsselbeine sanft auseinander und lassen sie die Schultern nach außen und unten fließen.

  • Kopf hoch!
    Balancieren Sie Ihren Kopf auf dem Hals, wie einen Ball auf einer Fontäne: Der Hals ist gerade und entspannt. Vergessen Sie dabei das Lächeln nicht.

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