Tom Otte

Unterscheidbar sein …

Unterscheidbar sein …

Öffentlichkeitsarbeit in Betriebs- und Personalräten

Warum bilden Blumen rote, gelbe oder blaue Blüten aus? Warum haben Wespen eine schwarzgelbe Warnfarbe? Warum ahmen andere Insekten diese Methode nach, obwohl sie gar nicht stechen können? Und warum spreizen Hähne in der Balz stolz ihr Gefieder? Immer geht es um das gleiche Prinzip – um die ‚Wahrnehmung‘. Man will gesehen werden, um dann entweder gesucht oder gemieden zu werden. Eine Blume, die im allgemeinen Grün der Umgebung verschwände, würde von den Bienen und den Hummeln nicht angeflogen. Ihre Art stürbe aus.

Auch die menschliche Kommunikation beruht auf diesem Prinzip. Ein ‚Schwarzes Brett‘, das mit dem Grau in Grau immer gleicher Verlautbarungen und Bekanntmachungen bedeckt ist, wird einfach nicht wahrgenommen. Selbst die neuesten und wichtigsten Kommentare gehen dann unter, weil die ‚Bienen und Hummeln‘ – also die Belegschaften – ein solches Feld aus Makulatur nicht ansteuern werden. Eine ‚Bestäubung‘, also eine Verbreitung der Nachrichten, findet so gar nicht erst statt. Ein Text, der wiederum nicht gelesen wird, ist zum Zeitpunkt seiner Produktion bereits Altpapier.

„Der Unterschied macht den Unterschied“, dies ist einer der Kernsätze des großen englischen Sozialwissenschaftlers Gregory Bateson. Man muss zunächst einmal auffallen, um wahrgenommen und dann verbreitet zu werden. Würde am Schwarzen Brett ein Text einfach mal auf blauem Papier statt auf Recycling-Grau gedruckt, stäche ein solches Blatt schon aus dem großen Einerlei hervor. Dass man unterscheidbar sei, das ist das große Gesetz aller Öffentlichkeitsarbeit, auch für Betriebs- und Personalräte.

Warum also nicht die Betriebsratstür im grauen Bürotrakt der Firma einfach knallrot anstreichen? Oder mit einem großen Pfeil an der Decke darauf hinweisen, dass hier das Außergewöhnliche und damit der Unterschied regiert? Warum Nachrichten immer an der Pinwand veröffentlichen? Warum nicht die Möglichkeiten von WhatsApp, von Blogs und Chat-Rooms nutzen – oder aber Wand- bzw. Bodenzeitungen? Warum nicht einmal auf einer Betriebsversammlung im Rollenspiel die Möglichkeiten des Theaters nutzen? Es geht stets darum, zunächst einmal aufzufallen, die Dinge ‚anders‘ zu machen. Das Immergleiche zieht kein Publikum an.

Das gilt dann auch für die Textgestaltung der Information. Die Überschrift oder Headline muss schon ‚reinknallen‘. „Der Personalrat lehnt die Restrukturierungsmaßnahmen der Betriebsleitung ab“ – diese Überschrift lockt niemanden hinter dem Ofen hervor. „Nicht mit uns!“ wäre schon wesentlich klarer, vor allem in einer 48-Punkt-Schriftgröße, die sich vom sonstigen Kleinklein unterscheidet. Weil diese drei Wörter das Wir-Gefühl wecken und einen Konflikt schon aus zehn Schritten Abstand benennen.

Die folgende Sprache im Text sollte dann keinesfalls das unanschauliche Amtsdeutsch der Funktionäre verwenden. Effektive Texte gewinnen durch die ‚Sprache der Leute‘. Redensartliche Ausdrucksweisen, der Verzicht auf unnötige Fachbegriffe, die Übersetzung der weichgespülten Verlautbarungen ‚von oben‘ in klares und verständliches Deutsch, der Einsatz von Wortbildern, von Witz und Sarkasmus – dies alles bildet jene Unterschiede, die uns Leser gewinnen. Sollten Verweise auf Gesetze unvermeidlich sein, dann gehören diese Paragraphenzeichen allesamt in die Fußnoten (zu finden unter ‚Verweise‘ bei MS-Word).

Unterschiede zu schaffen, das ist auch das große Ziel, das sich die BTQ in ihren Seminaren zur betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit setzt – praxisnah, dialogorientiert, und stets mit hohem Unterhaltungswert.

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