Tom Otte

Teamarbeit – Einer für alle, alle für einen

Teamarbeit – Einer für alle, alle für einen

Sobald das Personal knapp wird, sobald der Personalschlüssel den bequemen Ausweg mittels Neueinstellungen verschließt, gewinnt die Teamfähigkeit eine zentrale Rolle innerhalb von Organisationen. Dieser sogenannte ‚Soft-Skill‘ hat den Sprung aus dem Mannschaftssport in den Berufsalltag geschafft. Gegenseitige Unterstützung und konstruktive Zusammenarbeit – statt des altgewohnten ‚Rattenrennens‘ – werden zu jener Ressource, die gemeinsam Ziele erreicht. Immer öfter gilt es, mit dem Lehm zu bauen, der in der Organisation bereits vorhanden ist.

Erfolgreiche Teamarbeit braucht dafür allemal eine neue Kommunikationskultur, welche die Unterschiedlichkeit anerkennt und das Verständnis füreinander fördert und entwickelt, vor allem durch gegenseitige Wertschätzung. Es gibt dann nicht mehr nur die Stürmer und Goalgetter in der Mannschaft, sondern auch Verteidiger, Ballverteiler, Torleute, Trainer, ja sogar den Zeugwart und den Mannschaftsarzt an der Seitenlinie. Sie alle werden für den Erfolg gebraucht.

Wer die Unverzichtbarkeit jedes Einzelnen für den Mannschaftserfolg anerkennt, schafft eine Atmosphäre des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts, natürlich fundiert von einer kritischen Auseinandersetzung. Ein verbessertes Teamwork kann so große Leistungspotentiale freisetzen, im Idealfall wird die Arbeitsleistung eines Teams größer als die Summe der Einzelleistungen. Ohne Führungskräfte, die hierfür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, die Handlungsspielräume bieten, die jeden an seinem Ort fördern, unterstützen und entwickeln, klappt das allerdings nicht.

Teamarbeit hat selbstverständlich Tücken: Gemeinsam zu denken, zu planen und Kompromisse zu finden, kann durchaus zeitaufwändig und stressig sein. Ernsthafte Konflikte sind möglich. Nicht alle Menschen verfügen von vornherein über ausreichende soziale Kompetenzen. Häufig mangelt es an Kritikfähigkeit, an Empathie oder an der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Wer auf Teamfähigkeit setzt, löst immer auch gruppendynamische Prozesse aus. Wichtig ist es da, solche Konflikte offen anzusprechen und zu befrieden. Eins aber ist sicher: Die erfolgreiche Bewältigung macht jede Gruppe stärker und führt zu einer produktiveren Arbeitsleistung.

Fachkreise beschreiben ein weiteres Risiko der Teamarbeit: das sogenannte „Groupthink“. Um Konflikte zu umgehen, um den Gruppenfrieden nicht zu gefährden, halten Teammitglieder bewusst abweichende Meinungen zurück. Gegenpositionen werden nicht geäußert und deshalb auch nicht diskutiert, Entschlüsse werden nicht angemessen bewertet und analysiert, nur, weil die oberflächliche Harmonie nicht gestört werden soll. Individuelle und möglicherweise kreative Sichtweisen gehen so verloren, ein ‚Querdenken‘ findet nicht mehr statt.

Gute Führungskräfte kennen dies Problem der Konformität, sie ermuntern dazu, auch nicht gruppenkonforme Meinungen zu äußern. Notfalls nehmen sie selbst die Gegenposition ein, sie verwandeln sich in den „Advocatus Diaboli“, um den aufkommenden Widerstand als Katalysator für die Fortsetzung der Diskussion zu nutzen.

Welche weiteren Wege es gibt, miteinander ins Gespräch zu kommen und einen echten Dialog zu führen, zeigen die Ausführungen zur Dialogmethode nach David Bohm.

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