Tom Otte

Arbeit 4.0 im Gesundheitswesen

Arbeit 4.0 im Gesundheitswesen

Algorithmus Mensch?

Aus dem Roboter wird ein Kollege – darum geht es im Kern bei der Industrie 4.0. Dieser unsolidarische Kerl fragt nicht nach Tarifverträgen oder Sozialräumen, er wird niemals müde und er macht keine Fehler, die nicht in seinem Programm schon angelegt sind.

Wird also der Mensch zum Handlanger der Maschinenwelt? In den USA gehen Forscher davon aus, dass über kurz oder lang vierzig Prozent aller Jobs durch die fortschreitende Digitalisierung verloren gehen. Im weniger zukunftsgläubigen Deutschland rechnen sie mit einem zwölfprozentigen Jobverlust.

Alle Prozesse, die bestimmten Regeln folgen, lassen sich „algorithmisieren“, prinzipiell also alles, was einen ‚Datenstrom‘ erzeugt. Welche Auswirkungen hat unter diesen Umständen die Digitalisierung auf das Gesundheitswesen? Auch ein Patient ist oft – denken wir die Analogie einmal zu Ende – nicht mehr als ein System, das Daten produziert. Zum Beispiel bei der Anästhesie auf dem OP-Tisch. Könnte also der Roboter heute schon den Anästhesiearzt ersetzen? Am Ende sogar kompetenter?

Klar, es gibt in einer Klinik hochkomplexe Dienstleistungen, wo (noch) niemand daran denkt, Ärzte oder Pfleger zu ersetzen. Dennoch, viele Prozesse, dem QM sei Dank, sind hier heute schon standardisiert. Die Patientenverwaltung, die Dokumentation oder auch die Diagnostik: überall wimmelt es von Regelprozessen. Es braucht kaum Phantasie, um sich eine ‚schöne neue Welt‘ vorzustellen, wo das Werkstück – hier das Armband am Handgelenk des Patienten – mit Untersuchungsgeräten kommuniziert und so notwendige Daten/Parameter etc. selbsttätig erhebt. Wie sich die chirurgische Robotik oder die Bio-Prothetik weiter entwickeln werden, ist keineswegs ausgemacht.

Wie schon in den 90iger Jahren ist erneut eine Diskussion im Gesundheitswesen nötig. Ging es damals um die Frage des Patienten/Kundenbildes bzw. um den Gegensatz von Gesundheitssystem und Gesundheitsmarkt, so stellt sich heute die Frage nach dem Menschenbild 4.0 in der Arbeitswelt 4.0 – und vielleicht nach einem ‚deutschen Weg‘. Von Fragen des Datenschutzes in einer cloud-gestützten digitalen Welt ganz zu schweigen …

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