Tom Otte

Salutogenese – was soll das sein?

Salutogenese – was soll das sein?

Die meisten Zeitgenossen betrachten Gesundheit als einen naturgegebenen Zustand. Gesundheit ist für sie schlicht die Abwesenheit von Krankheit. Das aber auch ihre Gesundheit ein höchst variables System ist, das täglich neu erzeugt werden muss, kommt ihnen dabei nicht in den Sinn. Mit den Faktoren, die unsere Gesundheit erhalten und bewirken, befasst sich die Salutogenese ( lat. ‚Entstehung des Gesunden‘). Im Grunde ist es eine Umkehrung der gewohnten Perspektive: Die Forscher befassen sich nicht länger mit den Ursachen von Krankheiten, sondern mit der Erzeugung von Gesundheit.

Eine der Kerneinsichten: Wir fördern unsere Gesundheit besonders dann, wenn wir uns im Einklang mit unserer Umgebung fühlen (‚Kohärenz‘): Dann erscheint uns die Umwelt erstens rundum „verständlich“, die anfallenden Aufgaben sind für uns „lösbar“, und unser Handeln wirkt auf uns „sinnhaft“. Dies sind also die drei primären Faktoren einer gelungenen Salutogenese: 1. Verständlichkeit, 2. Handhabbarkeit, 3. Sinnhaftigkeit.

Übertragen auf den Bereich der Arbeitswelt, bedeutet dies, dass wir unsere Salutogenese immer dann gefährden, wenn uns unsere Tätigkeiten ‚sinnlos‘ erscheinen, wenn sie schlicht ‚nicht machbar‘ wirken, oder wenn sie ‚unverständlich‘ scheinen. Der Verlust von Kohärenz, von ‚Identifikation mit den Aufgaben‘, ist in der betrieblichen Realität öfter der Fall, als viele meinen.

Die Aufmerksamkeit im betrieblichen Alltag muss sich daher darauf richten, den erwünschten Zustand der ‚Kohärenz‘ wieder herzustellen. Hier kennen wir eine ganze Reihe von Faktoren, die zu einem gesundheitsfördernden Arbeitsleben führen: Da wären erstens die ‚Handlungsspielräume‘ – der Betriebsangehörige muss im Rahmen seiner Aufgaben selbst Entscheidungen treffen dürfen. Hinzu kommt die unabdingbare ‚soziale Unterstützung‘ durch Kollegen und Vorgesetzte. Drittens sollte jedermann für seine Leistung ‚Wertschätzung‘ erfahren, und er sollte – viertens – für die anfallenden Aufgaben auch genügend ‚qualifiziert‘ sein. Fünftens sollte die Arbeit niemals in Monotonie versinken, sie soll unterschiedliche Fähigkeiten durch ‚Anforderungsvielfalt‘ stimulieren. Last not least sollten systematisch ‚Kommunikationsmöglichkeiten‘ geschaffen werden, um den Austausch untereinander zu fördern.

Das sind die wesentlichen Ansatzpunkte für eine gesundheitsförderliche betriebliche Praxis, welche die Einsichten der Salutogenese nutzt – im Interesse von Arbeitnehmern und Betrieben.

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