Der Dialog ist primär kein Gespräch oder Austausch zwischen Menschen oder Gruppen, sondern es geht um Bedeutungen, die in uns oder zwischen Personen durch ein gesprochenes Wort bewusst werden, die also ‚aus uns heraus‘ getriggert und aktualisiert werden. Das Wort ‚Dialog‘ setzt sich zusammen aus den Begriffen griech. dia (durch) und griech. logos (Wort, oder Bedeutung des Wortes). Ein Dialog kann nicht nur zwischen Menschen, sondern durchaus auch als inneres Selbstgespräch stattfinden. Gemeint ist, dass durch die Bedeutung und die ‚Symbolkraft‘ von Wörtern etwas Besonderes geschieht, dass sich dadurch neue Handlungsräume öffnen können – zwischen Menschen und zwischen dem Individuum und dem Kollektiv, in dem er sich bewegt.
Die Erfahrung zeigt, dass es nicht ganz einfach ist, einen derartigen Dialog miteinander zu führen, dass ganz besondere Fähigkeiten nötig sind, die man glücklicherweise erlernen kann. Grundlegend sind – nach Isaacs – vier grundlegende Fähigkeiten: voicing, listening, respecting and supending (Isaacs 1999):
voicing
Dies meint die Fähigkeit die eigene (innere) Stimme zu Gehör bringen. Das heißt, sich der inneren Stimme bewusst zu werden und ohne Angst vor der Mehrheit auszusprechen, was dabei in den Vordergrund und an die Öffentlichkeit tritt. Neben der Fähigkeit, seine Ansichten zu ‚verbalisieren‘, bedeutet es auch, Unsicherheiten in Kauf zu nehmen und für sein eigenes Denken einzustehen. Dazu gehört, Fragen nicht nur an andere, sondern auch an sich selbst zu stellen.
listening
Wer diese Fähigkeit besitzt, kann sich und sein Meinen zurückstellen, er macht sich ‚innerlich leer‘ und schafft so erst den Raum für das, was der andere sagt. Resonanz ist die Folge, auch Empathie genannt. Hierbei geht es nicht nur darum, auf die Inhalte zu achten, sondern auch darauf, welche Gefühle und körperliche Reaktionen eine Ansicht in uns hervorruft. Neugier auf den anderen ist die Folge, Nachfragen zeugen davon, dass man ihn ernst nimmt …
respecting
Dieses Können beschreibt die Toleranz, anderen Personen und Meinungen wertschätzend und respektvoll zu begegnen. Wertschätzend zu sein, heißt achtsam und aufmerksam zu sein, und nicht nach inneren Bildern und Vorstellungen zu urteilen, sondern schlicht wahrzunehmen, was ist. Respekt ist die Fähigkeit zur Empathie, das Können, sich in den anderen hinein zu versetzen …
suspending
Wer dies beherrscht, der will nicht mit einem Ergebnis oder einem Entschluss in der Hand den Raum verlassen. Es geht darum, neue Gedanken zunächst in der Schwebe zu halten. Eine Beobachtung erzwingt noch keine Bewertung. So paradox es klingt: Wer sein Urteil zeitlich verzögert, der gewinnt Zeit. Jene Zeit, um später dann das Richtige zu tun. Es geht um das Innehalten, um das Wahrnehmen und darum, unterschiedliche und widersprüchliche Aussagen zunächst stehen zu lassen, ohne dem Impuls nachzugeben, sie gleich zu ordnen, zu bewerten oder zu unterdrücken.